Aus der Praxis: Wenn die Frau Ihrem Mann das Taschengeld zahlt

 

Lebensumstände des Schuldners ändern sich

Herr Horst Fröhlich, ein wirklich fröhlicher Handwerksmeister in der Nähe von Berlin, war stocksauer, enttäuscht und gefrustet. Eine ihm empfohlene Privatperson, Herr Säumig, ließ sich die Heizung umfangreich reparieren und stellte viele Extrawünsche, die Herrn Fröhlich und seinen neu eingestellten Mitarbeiter enorm beschäftigten. Als alles fertig war – ein Abnahmeprotokoll hat sich Herr Fröhlich unterzeichnen lassen – bat er um die Zahlung, sofort und rein netto. Doch nichts passierte. Ständig wurde er vertröstet. Frau Fröhlich griff häufiger zum Hörer, verschickte Mahnungen und erfuhr dann, dass Herr Säumig wohl zahlungsunfähig war. Sofort wurde der Anwalt beauftragt, der das Verfahren bis zum Titel brachte. Doch selbst der Gerichtsvollzieher konnte nichts realisieren, denn Herr Säumig hatte die Vermögensauskunft bereits abgelegt, war laut dieser nicht zahlungsfähig und genoss daher zunächst Vollstreckungsschutz.
Ein harter Schlag, denn abgesehen von den Forderungen blieb die Familie Fröhlich jetzt auch noch auf den nicht unerheblichen Kosten für den Rechtsanwalt sitzen. Dieser gab ihnen die Vollstreckungsunterlagen mit der Bemerkung zurück, da sei – zumindest im Moment – nichts zu machen.

Doch einige Zeit später änderte sich die Situation

Herr und Frau Fröhlich hatten uns den Titel anvertraut, weil sie „diese Sache aus dem Kopf haben wollten“. Eine Aussage, die wir in der Form hier häufiger hören. Doch trotzdem sollte der Schuldner wissen, dass sich jemand um den Einzug der offenen Forderung bemüht und „wie ein Terrierer“ hartnäckig am Ball bleibt.
Bei der Prüfung des Falls fragte sich nun unsere Langzeitüberwachungs-Expertin: Wovon lebt dieser Mann, wenn er auch kein Arbeitslosengeld II bezieht? Zugegeben, eine sehr einfache, aber durchaus sinnvolle Frage.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag

Eine von uns beauftragte Nachbesserung beim Gerichtsvollzieher ergab, dass die Ehefrau ein hohes Gehalt erhält. Hier bestünde also gegebenenfalls ein Taschengeldanspruch des Ehemanns an seine Frau, welcher als Drittschuld pfändbar wäre. Diese Möglichkeit teilten wir der Ehefrau mit, prompt meldete sich der Schuldner und bat um monatliche Ratenzahlung. Seine Frau sei sehr erbost und wolle mit Inkasso und seinen Schulden nichts zu tun haben. Das Ergebnis: Herr Säumig kommt nun persönlich und zahlt einen monatlichen Betrag. Kommt er mal nicht pünktlich, reicht ein kurzer Anruf.

Fazit

Geben Sie Ihre titulierten Forderungen nicht verloren. Lassen Sie Ihre Forderungsansprüche nicht im Kellerregal liegen. Prüfen Sie die Vermögensauskünfte. Hinterfragen Sie die Angaben von Gerichtsvollziehern. Prüfen Sie, ob wirklich alles abgefragt wurde. Nehmen Sie an, dass sich die Lebensumstände auch bei Schuldnern verändern können. Dies kann den entscheidenden Hinweis zur Realisierung Ihrer Forderungen geben.