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Junge Erwachsene und die Schulden

Posted on März 28, 2018 by - Allgemein

Der Zahlungsmoral-Trend des BDIU, Dezember 2017

Die gute Nachricht vorweg: laut dem Zahlungsmoral-Trend des BDIU melden 81% der Inkassounternehmen, dass Verbraucher ihre Rechnungen mindesten genauso gut bezahlen wie zu Beginn des letzten Jahres.
Leider gibt es auch Schattenseiten: junge Verbraucher zwischen 18 und 24 gehören zu den schlechteren Zahlern. Sie sind nachlässiger, wenn es um das Begleichen von Rechnungen geht.

Doch warum rutschen junge Menschen in die Miesen?

Als Hauptgrund, warum junge Verbraucher Schulden machen, nennen 81% der Inkassounternehmen zu hohe Konsumausgaben. Dies wird gefolgt von zu wenig Eigenverantwortung (68%) und einem schlechten Vorbild durch das Elternhaus (67%). Doch auch zu wenige Kenntnisse über vertragliche Verpflichtungen und eine unzureichende Thematisierung dieser Themen in der Schule sind Gründe für eine frühe Verschuldung. Marion Kremer, Vizepräsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) äußert in diesem Zusammenhang: „Mündige Verbraucher benötigen ein umfassendes finanzielles Basiswissen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sich vor Überschuldung zu schützen. Die Schulen und die beruflichen Ausbildungseinrichtungen sollten ihnen dazu eine Grundausstattung an praktischem Finanzwissen liefern.“ Denn gerade junge Verbraucher neigen dazu, „sich für die Erfüllung kurzfristiger Konsumwünsche zu verschulden. Sei es, weil die Augen größer sind als der Geldbeutel oder weil man im Freundes- oder Bekanntenkreis vermeintlich ‚mithalten‘ will“, so Kramer.

Wer sind die Gläubiger junger Schuldner?

Hier sind vor allem Onlinehändler zu nennen. Aber auch Telekommunikationsunternehmen und Fitnessstudios spielen eine große Rolle bei der Überschuldung junger Verbraucher. Im Gegensatz dazu haben Erwachsene Schuldner eher Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Kreditinstituten, Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen. Hier zeigt sich also eine deutliche Unterscheidung zwischen den Altersgruppen. Diese spiegelt zudem eindeutig die unterschiedliche Gewichtung von Bedürfnissen und Prioritäten wieder.

Wenn einem Seniorenheim die liquiden Mittel ausgehen

Posted on Dezember 13, 2017 by - Allgemein

 

Wenn einem Seniorenheim die liquiden Mittel ausgehen

Vielleicht mag die Überschrift ein wenig verwirren, aber auch Seniorenheime begleichen die Lieferantenrechnungen nicht immer.

In unserem aktuellen Inkassofall einer Mandantin aus Düsseldorf geht es um einen Betrag von immerhin 10.000,00€. Das Seniorenheim ließ sich Warnmelder und Sensoren anbringen, damit man den neuesten gesetzlichen Vorschriften auch nachkommen konnte. Der Auftrag war gestempelt. Leider ohne die Unterschrift einer bevollmächtigten Person. Ein Problem, das häufig anzutreffen ist. Auch ist nicht eindeutig zu erkennen, welche Gesellschaft denn nun den Auftrag erteilt hat.

Unsere Recherchen beginnen, denn das Seniorenheim aus Neuss hat keinen eigenen Internetauftritt. Zudem ist die Bezeichnung des Seniorenheims so allgemein, dass sie nicht genau zuzuordnen ist. Endlich werden wir fündig. Aber es handelt sich um ein einziges Geflecht ständig wechselnder Firmen und Sitzverlegungen. Nach intensiven Nachforschungen, fünf Auszügen aus dem Handelsregister, sieben Auskünften bei Creditsafe und diversen Korrespondenzen mit „falschen“ Schuldnern konnten wir endlich nach ca. drei Wochen die richtige Schuldnerin mit ihren persönlich haftenden Gesellschaftern ermitteln.
Für den Außenstehenden scheinen die Dinge bei Abgabe zum Inkasso im Vergleich hierzu recht einfach. Es ist deshalb aus der Sicht des Kunden manchmal nicht zu verstehen, warum das denn so lange dauert. Manches Mal hören wir auch Sätze wie „so schwer kann es doch nicht sein…“. Aber doch, gerade diese Inkassomandate sind zeitraubend und erfordern Geduld.

Aber es wird noch besser. In Namen unseres Kunden fordern wir den Schuldner zur Zahlung auf. Das Schreiben bleibt ohne eine Resonanz. Telefonisch sind nur die Angestellten des Seniorenheims zu erreichen. Diese teilen einem eine Telefonnummer der Buchhalterin, die woanders sitzt, mit. Die Dame ist aber telefonisch nicht zu erreichen. Die Angestellten sagen ganz klipp und klar, dass ihnen das ganz egal sei. Wenn das Heim geschlossen würde und sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wäre ihnen das egal. Sie würden bei dem jetzigen Arbeitsmarkt sofort etwas Neues finden.

Wenn es dem Betreiber des Seniorenheims und allen Angestellten so egal ist, was mit dem Seniorenheim geschieht, fragen wir uns: Wie egal sind der Geschäftsführung denn dann die versorgten Klienten? Und wie ist es moralisch zu vertreten, dass der Gläubiger nun selbst in Zahlungsschwierigkeiten gerät, während der Schuldner den Kopf in den Sand steckt?