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Aus der Praxis: Wenn der Schuldner sich auskennt

Posted on Februar 23, 2018 by - Allgemein

 

Eine Augenarztpraxis hat uns mit dem Forderungseinzug gegen einen ihrer Patienten beauftragt. Berechnet wurden unter anderem mehrere Sehtests. Kurz nach Übersendung des ersten Mahnschreibens meldete sich auch schon der erboste Schuldner bei uns. Er ist scheinbar vom Fach und teilte uns mit, dass die Sehtests vollkommen überflüssig waren. Er habe ja bereits zu Beginn der Behandlung mitgeteilt, dass er auf dem betroffenen Auge nichts sehen könne. Daher weigerte er sich nun, diesen Teil der Rechnung zu zahlen und widersprach der Forderung. Doch an diesem Punkte sind wir als Inkassounternehmen noch lange nicht weg vom Fenster. Es beginnt eine mühselige Vermittlungsarbeit zwischen den beiden Fronten, die üblicherweise mehr oder weniger verhärtet sind – der Kunde möchte sein Geld, der Schuldner möchte nicht zahlen.

Die Vermittlung zwischen Schuldner und Mandant

Der zuständige Kollege hat nun also den Widerspruch des Schuldners erhalten. Als nächstes kontaktiert er im Zuge der Vermittlung zwischen den Parteien den Mandanten. Man teilt mit, dass bei einer Erstuntersuchung wie dieser ein Sehtest auf beiden Augen gemacht werden muss, um das Ausmaß der Schädigung festzustellen. Die Forderung ist also berechtigt. In solchen Fällen ziehen wir es jedoch vor, nicht nur telefonisch mit dem Mandanten zu kommunizieren, sondern auch eine schriftliche Stellungnahme zu erhalten. Also hat der Kollege diese angefordert und im nächsten Schritt an den Schuldner weitergeleitet. Auf dieses Schreiben reagiert der Schuldner nun mit einem Angebot. Er erklärt, dass er die Untersuchung durch die Ärztin zahlen würde, aber immer noch nicht die Sehtests – aus oben genannten Gründen. Außerdem kündigt er an, dass er nun einen Anwalt aufsucht. Hier endet zunächst der Kontakt. Erst nach über einem Monat Wartezeit und einigen erfolglosen Anrufen beim Schuldner kommt nun die Info zu uns, man würde jetzt doch die Hauptforderung zahlen. Einen Tag später geht die Zahlung bei uns ein.

Fazit

Hier beobachten wir eine interessante Wendung der Ereignisse und ein gutes Beispiel dafür, wie der wachsende Druck durch ein Inkassounternehmen letztendlich zur Zahlung führen kann. Hierfür bedarf es selbstverständlich einer sorgfältigen Vermittlung zwischen den Parteien sowie einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und Nachdruck. Doch zugegeben, ein vernünftiger Anwalt auf der Gegnerseite kann auch nicht schaden.

Inkasso von Kleinforderungen

Posted on Juli 31, 2017 by - Allgemein

 
Viele Unternehmen verfügen über Kleinforderungen gegen inländische und ausländische Kunden. Diese sind der Kosten-Nutzen-Perspektive nach schwerlich zu realisieren. Dabei sind speziell niedrige Forderungshöhen in der Geschäftsbeziehung zwischen Lieferant und Kunde sehr häufig anzutreffen. Denken Sie nur an Zuzahlungen beim Arzt, Forderungen im Versandhandel, Bestellungen von Büchern oder die Rechnung der Logopädie.

Für den Gläubiger werden diese Forderungshöhen zum Teil unwirtschaftlich, je mehr der Mahnaufwand zunimmt. Oft versucht der Lieferant bis zu drei Mahnungen. Während die Gerichte in Deutschland eine pauschale Mahngebühr von € 5,00-7,00 in der Regel akzeptieren, dürften die tatsächlichen Kosten beim fünffachen der Mahngebühr liegen. Auch die Zinsen als Verzugsschaden werden die Zahlungswilligkeit nicht erhöhen und sorgen nicht für eine gerechte Kostenerstattung.

Erheblich schwieriger wird die Situation zudem, wenn die Zahlung auch nach der letzten Mahnung ausbleibt. Der Gläubiger muss sich jetzt entscheiden, ob er die Forderung sofort ausbucht oder einen Rechtsanwalt bzw. ein Inkassounternehmen mit der außergerichtlichen Realisierung beauftragt.

Viele Gläubiger buchen die Kleinforderungen aus

Für die Ausbuchung sprechen die folgenden Argumente:

  • Die weitere Verfolgung bindet zu viele zeitliche Ressourcen, die in anderen Forderungsangelegenheiten besser investiert erscheinen
  • Die möglichen Beitreibungskosten (eigene und Fremdkosten) können schnell die ursprüngliche Hauptforderung erreichen bzw. übersteigen. Dabei bleibt ungewiss, ob die Gegenseite Hauptforderung und Verzugsschaden bezahlen wird
  • Es handelt sich um eine Einzelforderung. Grundsätzlich zahlen die Kunden aber leider gibt es auch hin und wieder Kunden, die Zahlungen verweigern

Für die weitere Verfolgung bei machbarer Bonität sprechen diese Argumente:

  • Man sagt „Kleinvieh macht auch Mist“ und das trifft auch speziell bei Ausbuchungen von Kleinforderungen zu
  • Das „es spricht sich herum“-Argument. Leider teilen viele Schuldner ihre Erfahrungen auch mit anderen. Schnell können sich Schlupflöcher im Markt breitmachen
  • Kann die Forderung und der Verzugsschaden beim Schuldner realisiert werden, trägt die Gegenseite auch die Kosten für Beauftragung eines Rechtsanwalts oder Inkassounternehmens

Aber warum wird das Risiko nicht (fast) eliminiert und auf Vorkasse umgestellt?

Die Antworten auf diese Frage sind differenziert zu betrachten. Ein Hauptargument ist die Kaufkraft von Kunden, wenn sie auf Rechnung Dienstleistungen und Waren erhalten. Fachleute gehen davon aus, dass zahlungsfähige Kunden aus Gründen der Sicherheit lieber auf Zahlungsziel bestellen. Zu häufig machen Kunden die Erfahrungen, dass die versprochenen Leistungen trotz Vorkasse nicht erfolgen. Auch die Bonitätsprüfungen bei niedrigen Forderungen sind keine Zahlungsgarantien. Zumal jeder Kunde geprüft werden müsste, um die schlechten Zahler herauszufiltern.

Aus diesen Ausführungen wird deutlich, dass sich der Gläubiger ein Kleinforderungskonzept erarbeiten sollte, das eine klare Vorstellung von dem wirtschaftlich Machbaren gibt. Denn sicher wird sich jeder die Frage stellen: „Wie viel Umsatz muss erzielt werden, um den ausgebuchten Betrag wieder hereinzuholen?“

Benötigen Sie Hilfe beim Inkasso von Kleinforderungen? Erfahren Sie hier, was wir für Sie im Kleinforderungsinkasso tun können.