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Inkasso in den Niederlanden

Posted on April 4, 2018 by - Allgemein

 

Deutsche Unternehmen exportieren in die Niederlande ein jährliches Volumen von etwa 5,8 MRD €. Besonders relevante Branchen sind Lebensmittel, Maschinenbau, elektronische Produkte und die Automobilindustrie.

Aber wie ist es um die Zahlungsmoral bei unseren Nachbarn bestellt? Und wie kann ein deutscher Exporteuer agieren, wenn ein niederländisches Unternehmen nicht zahlt?

Zunächst bleibt bei unseren intensiven Recherchen der Eindruck haften, dass die Zahlungswilligkeit in den Niederlanden nicht allzu stark ausgeprägt ist. Obwohl im Binnenverhältnis Lieferungen und Leistungen an Endverbraucher gerne per Vorkasse erbracht werden, liegen die normalen Zahlungsziele bei 14 bzw. 30 Tagen.

Während in Deutschland viele Klein- und mittelständische Unternehmen bereits über ein zum Teil sehr professionelles Mahnwesen verfügen, ist das Forderungsmanagement niederländischer Unternehmen häufig eine vernachlässigte Aufgabe.

Europäischer Zahlungsbefehl

Das Europäische Mahnwesen wurde mit der Verordnung 1896/2006 in der EU verabschiedet. Während die Richtlinie in Deutschland – auch verspätet – umgesetzt wurde, hakt es in den Niederlanden scheinbar bis heute noch mit der Bearbeitung des europäischen Zahlungsbefehls.

Anders als in Deutschland ist auch die Inkassobranche nicht wirklich reguliert. Nach dem Willen der niederländischen Regierung kann jeder ein Inkassounternehmen gründen. Dabei haben diese Unternehmen nicht mehr Rechte und Pflichten als der ursprüngliche Gläubiger. In vielen Diskussionen wird auch angeführt, dass die Inkassomahnung mit den normierten Inkassogebühren auf die Schuldner keinen Einfluss zu haben scheint. Dies liegt unter anderem daran, dass die Inkassokosten in einem Gerichtsverfahren kaum einklagbar sind.

Der deutsche Exporteur sollte sich daher vorsichtshalber mittels einer Auskunftei über den niederländischen Neukunden informieren. Liegen die Rahmenbedingungen vor, könnte auch eine Kreditversicherung für das Ausland eine Alternative sein. Aber auch Vorkasse und Bürgschaften sind sehr gängige Methoden zur Sicherung von Forderungen – auch in den Niederlanden.

Telefoninkasso in den Niederlanden

Niederländische Schuldner haben im Übrigen ein sehr entspanntes Verhältnis zum Thema Telefoninkasso. Im Gegensatz zu manch einem verkrampften Telefonat in Deutschland ist hier schon darauf zu achten, dass Gläubiger und Schuldner nicht ins Plaudern geraten. Natürlich kann das auch eine charmante Taktik sein….

 

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Ihr debkonplus Inkasso-Team

Junge Erwachsene und die Schulden

Posted on März 28, 2018 by - Allgemein

Der Zahlungsmoral-Trend des BDIU, Dezember 2017

Die gute Nachricht vorweg: laut dem Zahlungsmoral-Trend des BDIU melden 81% der Inkassounternehmen, dass Verbraucher ihre Rechnungen mindesten genauso gut bezahlen wie zu Beginn des letzten Jahres.
Leider gibt es auch Schattenseiten: junge Verbraucher zwischen 18 und 24 gehören zu den schlechteren Zahlern. Sie sind nachlässiger, wenn es um das Begleichen von Rechnungen geht.

Doch warum rutschen junge Menschen in die Miesen?

Als Hauptgrund, warum junge Verbraucher Schulden machen, nennen 81% der Inkassounternehmen zu hohe Konsumausgaben. Dies wird gefolgt von zu wenig Eigenverantwortung (68%) und einem schlechten Vorbild durch das Elternhaus (67%). Doch auch zu wenige Kenntnisse über vertragliche Verpflichtungen und eine unzureichende Thematisierung dieser Themen in der Schule sind Gründe für eine frühe Verschuldung. Marion Kremer, Vizepräsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) äußert in diesem Zusammenhang: „Mündige Verbraucher benötigen ein umfassendes finanzielles Basiswissen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sich vor Überschuldung zu schützen. Die Schulen und die beruflichen Ausbildungseinrichtungen sollten ihnen dazu eine Grundausstattung an praktischem Finanzwissen liefern.“ Denn gerade junge Verbraucher neigen dazu, „sich für die Erfüllung kurzfristiger Konsumwünsche zu verschulden. Sei es, weil die Augen größer sind als der Geldbeutel oder weil man im Freundes- oder Bekanntenkreis vermeintlich ‚mithalten‘ will“, so Kramer.

Wer sind die Gläubiger junger Schuldner?

Hier sind vor allem Onlinehändler zu nennen. Aber auch Telekommunikationsunternehmen und Fitnessstudios spielen eine große Rolle bei der Überschuldung junger Verbraucher. Im Gegensatz dazu haben Erwachsene Schuldner eher Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Kreditinstituten, Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen. Hier zeigt sich also eine deutliche Unterscheidung zwischen den Altersgruppen. Diese spiegelt zudem eindeutig die unterschiedliche Gewichtung von Bedürfnissen und Prioritäten wieder.

Aus der Praxis: Wenn die Frau Ihrem Mann das Taschengeld zahlt

Posted on Januar 29, 2018 by - Allgemein

 

Lebensumstände des Schuldners ändern sich

Herr Horst Fröhlich, ein wirklich fröhlicher Handwerksmeister in der Nähe von Berlin, war stocksauer, enttäuscht und gefrustet. Eine ihm empfohlene Privatperson, Herr Säumig, ließ sich die Heizung umfangreich reparieren und stellte viele Extrawünsche, die Herrn Fröhlich und seinen neu eingestellten Mitarbeiter enorm beschäftigten. Als alles fertig war – ein Abnahmeprotokoll hat sich Herr Fröhlich unterzeichnen lassen – bat er um die Zahlung, sofort und rein netto. Doch nichts passierte. Ständig wurde er vertröstet. Frau Fröhlich griff häufiger zum Hörer, verschickte Mahnungen und erfuhr dann, dass Herr Säumig wohl zahlungsunfähig war. Sofort wurde der Anwalt beauftragt, der das Verfahren bis zum Titel brachte. Doch selbst der Gerichtsvollzieher konnte nichts realisieren, denn Herr Säumig hatte die Vermögensauskunft bereits abgelegt, war laut dieser nicht zahlungsfähig und genoss daher zunächst Vollstreckungsschutz.
Ein harter Schlag, denn abgesehen von den Forderungen blieb die Familie Fröhlich jetzt auch noch auf den nicht unerheblichen Kosten für den Rechtsanwalt sitzen. Dieser gab ihnen die Vollstreckungsunterlagen mit der Bemerkung zurück, da sei – zumindest im Moment – nichts zu machen.

Doch einige Zeit später änderte sich die Situation

Herr und Frau Fröhlich hatten uns den Titel anvertraut, weil sie „diese Sache aus dem Kopf haben wollten“. Eine Aussage, die wir in der Form hier häufiger hören. Doch trotzdem sollte der Schuldner wissen, dass sich jemand um den Einzug der offenen Forderung bemüht und „wie ein Terrierer“ hartnäckig am Ball bleibt.
Bei der Prüfung des Falls fragte sich nun unsere Langzeitüberwachungs-Expertin: Wovon lebt dieser Mann, wenn er auch kein Arbeitslosengeld II bezieht? Zugegeben, eine sehr einfache, aber durchaus sinnvolle Frage.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag

Eine von uns beauftragte Nachbesserung beim Gerichtsvollzieher ergab, dass die Ehefrau ein hohes Gehalt erhält. Hier bestünde also gegebenenfalls ein Taschengeldanspruch des Ehemanns an seine Frau, welcher als Drittschuld pfändbar wäre. Diese Möglichkeit teilten wir der Ehefrau mit, prompt meldete sich der Schuldner und bat um monatliche Ratenzahlung. Seine Frau sei sehr erbost und wolle mit Inkasso und seinen Schulden nichts zu tun haben. Das Ergebnis: Herr Säumig kommt nun persönlich und zahlt einen monatlichen Betrag. Kommt er mal nicht pünktlich, reicht ein kurzer Anruf.

Fazit

Geben Sie Ihre titulierten Forderungen nicht verloren. Lassen Sie Ihre Forderungsansprüche nicht im Kellerregal liegen. Prüfen Sie die Vermögensauskünfte. Hinterfragen Sie die Angaben von Gerichtsvollziehern. Prüfen Sie, ob wirklich alles abgefragt wurde. Nehmen Sie an, dass sich die Lebensumstände auch bei Schuldnern verändern können. Dies kann den entscheidenden Hinweis zur Realisierung Ihrer Forderungen geben.

Inkasso von Kleinforderungen

Posted on Juli 31, 2017 by - Allgemein

 
Viele Unternehmen verfügen über Kleinforderungen gegen inländische und ausländische Kunden. Diese sind der Kosten-Nutzen-Perspektive nach schwerlich zu realisieren. Dabei sind speziell niedrige Forderungshöhen in der Geschäftsbeziehung zwischen Lieferant und Kunde sehr häufig anzutreffen. Denken Sie nur an Zuzahlungen beim Arzt, Forderungen im Versandhandel, Bestellungen von Büchern oder die Rechnung der Logopädie.

Für den Gläubiger werden diese Forderungshöhen zum Teil unwirtschaftlich, je mehr der Mahnaufwand zunimmt. Oft versucht der Lieferant bis zu drei Mahnungen. Während die Gerichte in Deutschland eine pauschale Mahngebühr von € 5,00-7,00 in der Regel akzeptieren, dürften die tatsächlichen Kosten beim fünffachen der Mahngebühr liegen. Auch die Zinsen als Verzugsschaden werden die Zahlungswilligkeit nicht erhöhen und sorgen nicht für eine gerechte Kostenerstattung.

Erheblich schwieriger wird die Situation zudem, wenn die Zahlung auch nach der letzten Mahnung ausbleibt. Der Gläubiger muss sich jetzt entscheiden, ob er die Forderung sofort ausbucht oder einen Rechtsanwalt bzw. ein Inkassounternehmen mit der außergerichtlichen Realisierung beauftragt.

Viele Gläubiger buchen die Kleinforderungen aus

Für die Ausbuchung sprechen die folgenden Argumente:

  • Die weitere Verfolgung bindet zu viele zeitliche Ressourcen, die in anderen Forderungsangelegenheiten besser investiert erscheinen
  • Die möglichen Beitreibungskosten (eigene und Fremdkosten) können schnell die ursprüngliche Hauptforderung erreichen bzw. übersteigen. Dabei bleibt ungewiss, ob die Gegenseite Hauptforderung und Verzugsschaden bezahlen wird
  • Es handelt sich um eine Einzelforderung. Grundsätzlich zahlen die Kunden aber leider gibt es auch hin und wieder Kunden, die Zahlungen verweigern

Für die weitere Verfolgung bei machbarer Bonität sprechen diese Argumente:

  • Man sagt „Kleinvieh macht auch Mist“ und das trifft auch speziell bei Ausbuchungen von Kleinforderungen zu
  • Das „es spricht sich herum“-Argument. Leider teilen viele Schuldner ihre Erfahrungen auch mit anderen. Schnell können sich Schlupflöcher im Markt breitmachen
  • Kann die Forderung und der Verzugsschaden beim Schuldner realisiert werden, trägt die Gegenseite auch die Kosten für Beauftragung eines Rechtsanwalts oder Inkassounternehmens

Aber warum wird das Risiko nicht (fast) eliminiert und auf Vorkasse umgestellt?

Die Antworten auf diese Frage sind differenziert zu betrachten. Ein Hauptargument ist die Kaufkraft von Kunden, wenn sie auf Rechnung Dienstleistungen und Waren erhalten. Fachleute gehen davon aus, dass zahlungsfähige Kunden aus Gründen der Sicherheit lieber auf Zahlungsziel bestellen. Zu häufig machen Kunden die Erfahrungen, dass die versprochenen Leistungen trotz Vorkasse nicht erfolgen. Auch die Bonitätsprüfungen bei niedrigen Forderungen sind keine Zahlungsgarantien. Zumal jeder Kunde geprüft werden müsste, um die schlechten Zahler herauszufiltern.

Aus diesen Ausführungen wird deutlich, dass sich der Gläubiger ein Kleinforderungskonzept erarbeiten sollte, das eine klare Vorstellung von dem wirtschaftlich Machbaren gibt. Denn sicher wird sich jeder die Frage stellen: „Wie viel Umsatz muss erzielt werden, um den ausgebuchten Betrag wieder hereinzuholen?“

Benötigen Sie Hilfe beim Inkasso von Kleinforderungen? Erfahren Sie hier, was wir für Sie im Kleinforderungsinkasso tun können.