Tagged: Inkasso

Aus der Praxis: Unkonventionelle Methoden führen zum Erfolg!

Posted on April 9, 2018 by - Allgemein

 

Die Situation

Unsere Mandantschaft liefert dem Schuldner Ware. Sie schreibt wie gewohnt die Rechnung. Eine Zahlung erfolgt nicht. Es folgen drei Mahnungen unserer Mandantschaft, eine Zahlung oder eine sonstige Reaktion erfolgt leider immer noch nicht. Nach einer Weile meldet sich der Schuldner dann doch und teilt mit, dass die Bankverbindung des Lieferanten nicht mit der in der Rechnung übereinstimme. Um dieses Problem zu lösen müsse sich der Lieferant, unser Mandant, ins System des Schuldners einloggen und dort die Bankverbindung selbstständig ändern. Zu diesem Vorgang liegen uns zahllose Mails vor, die sich um ein und dasselbe Problem drehen: das Einloggen ins System ist nicht möglich. Auf Rückfrage teilte man uns mit, dass die Bankverbindung nicht manuell vom Mitarbeiter des Schuldners geändert werden darf. Dies müsse auf jeden Fall der Lieferant erledigen. Alles in allem fühlte sich im Schuldnerunternehmen scheinbar niemand zuständig.

Das Vorgehen

Im Regelfall hätten wir hier nur noch Klage empfehlen können. Jedoch kam unserer findigen Mitarbeiterin die Idee ein Einschreiben mit sämtlichen Unterlagen direkt an die Geschäftsleitung zu senden, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Gesagt, getan – und nur eine Woche später war dann auch schon das Geld da. Inklusive unserer Kosten belief sich die Zahlung auf eine stolze Summe von über 3100€. Ein großer Erfolg!

An diesem Fall zeigt sich wieder einmal: Wer außerhalb der gewohnten Abläufe denkt und etwas Neues versucht, dem winkt zuweilen häufiger der Erfolg!

 

Wir wünschen Ihnen alles Gute,
Ihr debkonplus Inkasso-Team

Inkasso in den Niederlanden

Posted on April 4, 2018 by - Allgemein

 

Deutsche Unternehmen exportieren in die Niederlande ein jährliches Volumen von etwa 5,8 MRD €. Besonders relevante Branchen sind Lebensmittel, Maschinenbau, elektronische Produkte und die Automobilindustrie.

Aber wie ist es um die Zahlungsmoral bei unseren Nachbarn bestellt? Und wie kann ein deutscher Exporteuer agieren, wenn ein niederländisches Unternehmen nicht zahlt?

Zunächst bleibt bei unseren intensiven Recherchen der Eindruck haften, dass die Zahlungswilligkeit in den Niederlanden nicht allzu stark ausgeprägt ist. Obwohl im Binnenverhältnis Lieferungen und Leistungen an Endverbraucher gerne per Vorkasse erbracht werden, liegen die normalen Zahlungsziele bei 14 bzw. 30 Tagen.

Während in Deutschland viele Klein- und mittelständische Unternehmen bereits über ein zum Teil sehr professionelles Mahnwesen verfügen, ist das Forderungsmanagement niederländischer Unternehmen häufig eine vernachlässigte Aufgabe.

Europäischer Zahlungsbefehl

Das Europäische Mahnwesen wurde mit der Verordnung 1896/2006 in der EU verabschiedet. Während die Richtlinie in Deutschland – auch verspätet – umgesetzt wurde, hakt es in den Niederlanden scheinbar bis heute noch mit der Bearbeitung des europäischen Zahlungsbefehls.

Anders als in Deutschland ist auch die Inkassobranche nicht wirklich reguliert. Nach dem Willen der niederländischen Regierung kann jeder ein Inkassounternehmen gründen. Dabei haben diese Unternehmen nicht mehr Rechte und Pflichten als der ursprüngliche Gläubiger. In vielen Diskussionen wird auch angeführt, dass die Inkassomahnung mit den normierten Inkassogebühren auf die Schuldner keinen Einfluss zu haben scheint. Dies liegt unter anderem daran, dass die Inkassokosten in einem Gerichtsverfahren kaum einklagbar sind.

Der deutsche Exporteur sollte sich daher vorsichtshalber mittels einer Auskunftei über den niederländischen Neukunden informieren. Liegen die Rahmenbedingungen vor, könnte auch eine Kreditversicherung für das Ausland eine Alternative sein. Aber auch Vorkasse und Bürgschaften sind sehr gängige Methoden zur Sicherung von Forderungen – auch in den Niederlanden.

Telefoninkasso in den Niederlanden

Niederländische Schuldner haben im Übrigen ein sehr entspanntes Verhältnis zum Thema Telefoninkasso. Im Gegensatz zu manch einem verkrampften Telefonat in Deutschland ist hier schon darauf zu achten, dass Gläubiger und Schuldner nicht ins Plaudern geraten. Natürlich kann das auch eine charmante Taktik sein….

 

Sie wünschen sich professionelle Hilfe bei Forderungen in den Niederlanden?

Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn Sie Unterstützung beim Forderungseinzug in den Niederlanden benötigen. Kontaktieren Sie uns oder besuchen Sie unsere Website!

Ihr debkonplus Inkasso-Team

Junge Erwachsene und die Schulden

Posted on März 28, 2018 by - Allgemein

Der Zahlungsmoral-Trend des BDIU, Dezember 2017

Die gute Nachricht vorweg: laut dem Zahlungsmoral-Trend des BDIU melden 81% der Inkassounternehmen, dass Verbraucher ihre Rechnungen mindesten genauso gut bezahlen wie zu Beginn des letzten Jahres.
Leider gibt es auch Schattenseiten: junge Verbraucher zwischen 18 und 24 gehören zu den schlechteren Zahlern. Sie sind nachlässiger, wenn es um das Begleichen von Rechnungen geht.

Doch warum rutschen junge Menschen in die Miesen?

Als Hauptgrund, warum junge Verbraucher Schulden machen, nennen 81% der Inkassounternehmen zu hohe Konsumausgaben. Dies wird gefolgt von zu wenig Eigenverantwortung (68%) und einem schlechten Vorbild durch das Elternhaus (67%). Doch auch zu wenige Kenntnisse über vertragliche Verpflichtungen und eine unzureichende Thematisierung dieser Themen in der Schule sind Gründe für eine frühe Verschuldung. Marion Kremer, Vizepräsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) äußert in diesem Zusammenhang: „Mündige Verbraucher benötigen ein umfassendes finanzielles Basiswissen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und sich vor Überschuldung zu schützen. Die Schulen und die beruflichen Ausbildungseinrichtungen sollten ihnen dazu eine Grundausstattung an praktischem Finanzwissen liefern.“ Denn gerade junge Verbraucher neigen dazu, „sich für die Erfüllung kurzfristiger Konsumwünsche zu verschulden. Sei es, weil die Augen größer sind als der Geldbeutel oder weil man im Freundes- oder Bekanntenkreis vermeintlich ‚mithalten‘ will“, so Kramer.

Wer sind die Gläubiger junger Schuldner?

Hier sind vor allem Onlinehändler zu nennen. Aber auch Telekommunikationsunternehmen und Fitnessstudios spielen eine große Rolle bei der Überschuldung junger Verbraucher. Im Gegensatz dazu haben Erwachsene Schuldner eher Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Kreditinstituten, Energieversorgern und Telekommunikationsunternehmen. Hier zeigt sich also eine deutliche Unterscheidung zwischen den Altersgruppen. Diese spiegelt zudem eindeutig die unterschiedliche Gewichtung von Bedürfnissen und Prioritäten wieder.

Aus der Praxis: Lebensumstände des Schuldners ändern sich

Posted on März 14, 2018 by - Allgemein

 
Bei einem unserer Langzeit-Schuldner war mal wieder die Abnahme der Vermögensauskunft fällig. Und wie auch in den Jahren zuvor war das Gehalt nicht ausreichend für eine Pfändung. Immerhin hatte der Schuldner zu diesem Zeitpunkt vier unterhaltsberechtigten Personen durchzufüttern, nämlich seine Ehefrau und außerdem noch drei Kinder. Allerdings hatten wir uns bereits beim letzten Vollstreckungsversuch die Notiz gemacht, dass die Kinder bald alt genug sein würden, um ein eigenes Einkommen zu haben. Es ist stets ratsam, solche Beobachtungen zu vermerken.
 
In der aktuellen Vermögensauskunft stand nun allerdings lediglich vermerkt, dass die Söhne in Ausbildung seien, beziehungsweise ein Praktikum machten. Die Ehefrau habe nur eine geringfügige Beschäftigung. Hier wollten wir jedoch Genaueres in Erfahrung bringen und stellten beim Gerichtsvollzieher einen Nachbesserungsantrag zu den Einnahmen der Familienmitglieder. Und siehe da, alle drei Söhne bekamen immerhin ein gutes Ausbildungsgehalt beziehungsweise eine solide Praktikumsvergütung. Die Ehefrau verdiente den Höchstbetrag im Minijob. Die finanzielle Situation der Familie sah also gar nicht so schlecht aus wie ursprünglich befürchtet. Im Gegenteil, sie ließ sogar finanziellen Spielraum für eine Pfändung!
 
Nun stellten wir also bei Gericht den Antrag auf Drittschuldnerpfändung beim Arbeitgeber mit dem Zusatz, das Einkommen der Familie anteilig anzurechnen. Folglich werden hier also die Gehälter der Söhne, der Frau und zusätzlich auch noch das Kindergeld mit einbezogen. Alles in allem ergab sich nun ein pfändbarer Betrag von fast 400€ monatlich. So konnte die Forderung in einem doch recht kurzen Zeitraum von nur einem Jahr vollständig beglichen werden!
 

Fazit

Geben Sie Ihre titulierten Forderungen nicht verloren oder lassen sie im Kellerregal einstauben. Prüfen Sie die Vermögensauskünfte und hinterfragen Sie die Angaben von Gerichtsvollziehern. Prüfen Sie, ob wirklich alles abgefragt wurde. Nehmen Sie an, dass sich die Lebensumstände auch bei Schuldnern verändern können. Achten Sie auf die kleinsten Gegebenheiten, welche von Belang sein könnten (wie in unserem Beispiel das Alter der Kinder). Manchmal macht eine gute Beobachtungsgabe einen großen Unterschied.
 
Ihr debkonplus Inkasso-Team

Aus der Praxis: Richtig online bestellen – Betrüger erkennen

Posted on März 5, 2018 by - Allgemein

 
Unser Kunde hat Waren in einem Onlineshop bestellt. Nichts Besonderes möchte man meinen. Doch leider Gottes erhielt unser Kunde seine Ware nicht. Er forderte daher über uns entweder sein Geld oder die baldige Auslieferung der Ware ein. Nach einiger Wartezeit wurde dann schriftlich durch die Versicherung mitgeteilt, das Geld würde bald eingehen. Dann wurde jedoch die Website deaktiviert. Unsere Recherchen ergaben, dass bereits zum Zeitpunkt der Bestellung deutliche Hinweise auf eine betrügerische Absicht des Shops hindeuteten. Einen Monat nach der Bestellung bekamen wir dann die Nachricht aus dem Handelsregister: Firma unbekannt abgemeldet.

Wie geht es nun weiter?

In dieser Situation kann man nun vorgerichtlich leider nichts mehr unternehmen. Die Firmen verschwinden von der Bildfläche und sind zumeist weder telefonisch, noch per Post zu erreichen. Damit hat sich allerdings auch das gerichtliche Mahnverfahren erübrigt. Immerhin muss der Mahnbescheid dem Schuldner zugestellt werden, um Rechtskraft zu erhalten. Dem Inkassounternehmen sind in solch einer Situation die Hände gebunden. Die Akte wird geschlossen.

Wie kann ich einer solchen Situation vorbeugen?

Um ein solches Szenario bereits im Vorhinein zu vermeiden, könnte man sich einen Wegweiser zur „sicheren“ Onlinebestellung vorstellen: zahlen Sie Vorkasse nur per Lastschrift, PayPal usw. Prüfen Sie das Impressum, geben Sie den Firmennamen und den des Geschäftsführers zusammen mit dem Begriff „Betrug“ in eine Suchmaschine ein. Zudem gib es interessante Websites wie zum Beispiel www.onlinewarnungen.de, die einem zusätzlich weitere Informationen zum Zahl- beziehungsweise Lieferverhalten geben können. Außerdem wird man hier über die weiteren möglichen Schritte informiert.
In unserer konkreten Sache wurde der Mandantin Strafanzeige empfohlen. Gott sei Dank ist Sie rechtsschutzversichert und kann daher unbedenklich einen Zivilprozess führen. Wer jedoch nicht durch eine solche Versicherung geschützt ist und das Risiko einer Klage fürchtet, dem bleibt in einer solchen Situation nur auf seine Forderung zu verzichten. Und das will doch eigentlich niemand, oder?

  

Aus der Praxis: Wenn der Schuldner sich auskennt

Posted on Februar 23, 2018 by - Allgemein

 

Eine Augenarztpraxis hat uns mit dem Forderungseinzug gegen einen ihrer Patienten beauftragt. Berechnet wurden unter anderem mehrere Sehtests. Kurz nach Übersendung des ersten Mahnschreibens meldete sich auch schon der erboste Schuldner bei uns. Er ist scheinbar vom Fach und teilte uns mit, dass die Sehtests vollkommen überflüssig waren. Er habe ja bereits zu Beginn der Behandlung mitgeteilt, dass er auf dem betroffenen Auge nichts sehen könne. Daher weigerte er sich nun, diesen Teil der Rechnung zu zahlen und widersprach der Forderung. Doch an diesem Punkte sind wir als Inkassounternehmen noch lange nicht weg vom Fenster. Es beginnt eine mühselige Vermittlungsarbeit zwischen den beiden Fronten, die üblicherweise mehr oder weniger verhärtet sind – der Kunde möchte sein Geld, der Schuldner möchte nicht zahlen.

Die Vermittlung zwischen Schuldner und Mandant

Der zuständige Kollege hat nun also den Widerspruch des Schuldners erhalten. Als nächstes kontaktiert er im Zuge der Vermittlung zwischen den Parteien den Mandanten. Man teilt mit, dass bei einer Erstuntersuchung wie dieser ein Sehtest auf beiden Augen gemacht werden muss, um das Ausmaß der Schädigung festzustellen. Die Forderung ist also berechtigt. In solchen Fällen ziehen wir es jedoch vor, nicht nur telefonisch mit dem Mandanten zu kommunizieren, sondern auch eine schriftliche Stellungnahme zu erhalten. Also hat der Kollege diese angefordert und im nächsten Schritt an den Schuldner weitergeleitet. Auf dieses Schreiben reagiert der Schuldner nun mit einem Angebot. Er erklärt, dass er die Untersuchung durch die Ärztin zahlen würde, aber immer noch nicht die Sehtests – aus oben genannten Gründen. Außerdem kündigt er an, dass er nun einen Anwalt aufsucht. Hier endet zunächst der Kontakt. Erst nach über einem Monat Wartezeit und einigen erfolglosen Anrufen beim Schuldner kommt nun die Info zu uns, man würde jetzt doch die Hauptforderung zahlen. Einen Tag später geht die Zahlung bei uns ein.

Fazit

Hier beobachten wir eine interessante Wendung der Ereignisse und ein gutes Beispiel dafür, wie der wachsende Druck durch ein Inkassounternehmen letztendlich zur Zahlung führen kann. Hierfür bedarf es selbstverständlich einer sorgfältigen Vermittlung zwischen den Parteien sowie einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und Nachdruck. Doch zugegeben, ein vernünftiger Anwalt auf der Gegnerseite kann auch nicht schaden.

Aus der Praxis: Wenn der Schuldner im Gefängnis sitzt

Posted on Februar 2, 2018 by - Allgemein

 
Einer unserer Mandanten beauftragte uns kürzlich mit einem neuen Fall. Doch bereits unser erstes Mahnschreiben kam zurück. In der Hoffnung, den Aufenthaltsort des Schuldners ermitteln zu können, stellten wir eine Anfrage ans Einwohnermeldeamt. Unten stehende Antwort bekamen wir nun vom Einwohnermeldeamt zurück:

In Beantwortung Ihrer Anfrage teilen wir Ihnen mit, dass eine Auskunft aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht oder derzeit nicht erteilt werden kann.

Dies könnte bedeuten, dass der Schuldner oder die Schuldnerin zum Beispiel im Frauenhaus ist. Aber normalerweise heißt das ganz einfach: der Schuldner ist im Knast.

Die Einwohnermeldeämter dürfen aus Datenschutzgründen nicht mitteilen, in welcher Justizvollzugsanstalt sich ein Schuldner aufhält. Zwar könnte man dann sehr viel einfacher den Mahnbescheid zustellen und anschließend das Taschengeld für Häftlinge pfänden – aber unser deutscher Datenschutz nimmt auf solche Umstände keine Rücksicht.

Wie kann man in solch einem Fall vorgehen?

Wenn das Ganze vorgerichtlich geschieht, ist nichts mehr zu machen. Ein Mahnbescheid kann nicht erwirkt werden, da dieser nicht zugestellt werden kann. Doch ohne zugestellten Mahnbescheid kann das gerichtliche Mahnverfahren nicht weiter laufen. Es muss also darauf gewartet werden, dass der Schuldner wieder entlassen wird. Selten kehrt er jedoch an den früheren Wohnort zurück. Wir können also nur hoffen, dass wir durch die Schufa irgendwann eine neue Adresse bekommen. Ansonsten haben wir verloren. Meist werden wir dann vor Ablauf der Verjährungsfrist den Schuldner nicht mehr finden.

Als Alternative könnte durch einen Anwalt ein Klageverfahren mit öffentlicher Zustellung angestrengt werden. Die Klageschrift wird dann für ein halbes Jahr am schwarzen Brett des Gerichts aufgehängt. Danach wird ein Versäumnisurteil erlassen, das dann wiederum ein halbes Jahr aufgehängt wird. Im Anschluss hat man dann einen Titel in der Hand. Die Gerichts- und Anwaltskosten aber leider auch. Mit dem Kostenfestsetzungsbeschluss wird es dann genauso gemacht. Dann hat man also endlich Titel, die 30 Jahre nicht verjähren, aber bislang ist dennoch „außer Spesen nichts gewesen“.

Wir können dem Mandanten in solchen Fällen meistens nur anraten, die Forderung auszubuchen.

Wie Sie Pferde im Inkasso einspannen können

Posted on Januar 22, 2018 by - Allgemein

 
Eine zweifache Pferdebesitzerin hatte erhebliche Schulden angehäuft. Auch bei unserem Mandanten war noch ein stolzes Sümmchen offen. Doch die Schuldnerin stand in regelmäßigem Kontakt mit dem zuständigen Gerichtsvollzieher und gab in den Gesprächen immer an, sie habe kein Geld und damit auch kein Vermögen. Wie nun tatsächlich die Vermögensauskunft zustande gekommen ist, können wir nicht beurteilen. Aber merkwürdig ist es schon, dass der Gerichtsvollzieher keine neugierigen Fragen stellte.

Hier sind wir als Inkassounternehmen gefragt

Wir taten es, indem wir vorab in den sozialen Netzwerken intensiv recherchierten. In Zusammenarbeit mit unserem Kunden stellten wir fest, dass die Schuldnerin tatsächlich zwei Pferde besitzt und ihre beiden Pferde in gemieteten Ställen untergebracht hat. Wie kann sie sich die Einstellkosten leisten? Wie bezahlt sie den Hufschmied, das Futter und die eventuell anfallenden Tierarztkosten? Über welche Einkommensquellen verfügt sie wirklich? Hat sie den Gerichtsvollzieher bei der Abgabe der Vermögensauskunft womöglich betrogen? Das hätte sicherlich auch strafbare Folgen für die Schuldnerin.

Die praktische Umsetzung

In der Praxis war uns jedoch auch hier klar, dass wir die Pferde nicht einfach pfänden und wegbringen lassen würden. Letztlich waren es die Kosten und die Sorgen um die Pferde, die uns dazu bewegten dies nicht zu tun.
Schließlich konfrontierten wir die Tierbesitzerin mit unseren Erkenntnissen und erklärten ihr im Telefonat, dass wir den Gerichtsvollzieher erneut beauftragen würden. Und dass wir im Falle des Falles auch eine Anzeige in Erwägung ziehen könnten. Die Schuldnerin – bisher war sie immer sehr uneinsichtig – gab sich jetzt sehr kooperativ und lenkte ein. Wir erhielten in drei Raten die gesamte Hauptforderung inklusive des Verzugsschadens.

Fazit

Inkasso und ein erfolgreicher Forderungseinzug ist unserer Meinung nach mehr als nur Mahnbriefe mit unterschiedlichen „Drohtexten“ zu senden. Vielmehr sind es die Recherche und die anderen kreativen Inkassoarbeiten, die zum Erfolg führen. Sammeln Sie deshalb jede Kleinigkeit über Ihren Schuldner. Beobachten Sie ihn auch auf längere Sicht. In jedem Lebensabschnitt ändert sich etwas. Jeder Schuldner hat besondere Interessen. In diesem Inkassofall lag das Interesse des Schuldners bei den Pferden. Welches Interesse hat Ihr Schuldner?

Hundezucht und Inkasso

Posted on Januar 15, 2018 by - Allgemein

Wie Hundezucht und Inkasso zusammenpassen

Der Alptraum eines Inkassobüros und seiner Mandanten: Seit Jahren erklärt Herr Klaus Säumig*, dass er kein Geld habe. Bereitwillig legt er auch immer wieder den Offenbarungseid (Vermögensauskunft) ab. Herr Säumig gibt also an, er sei vermögenslos! Da ist dann leider nichts zu holen und der Gläubiger geht leer aus. Oder?

Wovon bestreitet Herr Säumig eigentlich seinen Unterhalt? Wovon lebt er? Diese Fragen jucken jeden Sachbearbeiter unter den Fingernägeln, wenn ein solcher Fall auf seinem Schreibtisch liegt.

Eine genauere Recherche lohnt sich!

Unser Mandant hatte die Hoffnungen schon aufgegeben. Schließlich wurde mit dem Vollstreckungsbescheid auch schon einmal der Gerichtsvollzieher beauftragt, ohne Erfolg. Der Schuldner schien fein raus zu sein. Doch hier kommt der Einsatz, das Geschick und Können eines erfahrenen Inkassobüros ins Spiel. Mit dem richtigen Fingerspitzengefühl und einer gesunden Portion Neugier recherchierte unsere Mitarbeiterin die Hintergründe zur Person und stieß auf eine Internetseite, auf der Herr Säumig munter das Geschäft mit beliebten Hunderassen betreibt. Auf seiner Internetseite informierte er bereitwillig über den Verlauf der Trächtigkeit einer Hündin – immerhin werden die Welpen mit bis zu 1.200€ gehandelt. Ein stolzes Sümmchen.

Wie kann dieses Wissen nun genutzt werden?

Doch die Pfändung von Tieren ist kein angenehmes Unterfangen. Denn selbstverständlich sollen diese nicht zu Schaden kommen, sie müssen angemessen untergebracht und versorgt werden. Dies kam für unsere Mitarbeiterin also aus Kostengründen, aber auch aus moralischer Sicht, nicht in Frage. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Gerichtsvollzieher bestätigt dieser allerdings, dass durchaus auch die Zuchtpapiere gepfändet werden können. Das hätte für Herrn Säumig zur Folge, dass der Zuchtwart die Abnahme der Tiere nicht vornehmen würde und er diese weit unter Wert zu verkaufen hätte.

Kurzerhand informierten wir auch Herrn Säumig über diese Neuigkeiten. Er war zutiefst überrascht und bereit alles bis auf den letzten Cent und sofort zu zahlen. Noch am selben Tag erhielten wir den Zahlungsnachweis. Zwei Tage später konnten wir den Zahlungseingang feststellen und erfolgreich mit unserem Kunden abrechnen.

Wir freuen uns für unseren Mandanten, aber auch für die Welpen. Denn offensichtlich sind sechs Welpen gesund und munter auf die Welt gekommen. Inkasso kennt also auch kreative Methoden.

 

*Name geändert

 

Inkasso in Europa

Posted on Januar 8, 2018 by - Allgemein

Unbezahlte Rechnungen sind für Unternehmen in ganz Europa ein Graus. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben mit säumigen Kunden zu kämpfen – nicht selten sind diese unbezahlten Rechnungen der Grund, warum Firmen sogar Insolvenz anmelden. Dies meldet der Bundesverband deutscher Inkassounternehmen (BDIU) bereits in der Fachzeitschrift Inkassowirtschaft April 2015.

Die Zahlungsverzugsrichtlinie soll helfen

Um den Gläubigern zu helfen, hat sich Europa eingeschaltet. Die Zahlungsverzugsrichtlinie setzt Auftraggebern im B2B-Geschäft aber auch der öffentlichen Hand klare Grenzen. Spätestens nach 60 Tagen (beziehungsweise bereits nach 30 Tagen, wenn es sich um die öffentliche Hand handelt) muss eine Rechnung bezahlt sein. Danach stehen Gläubigern automatisch pauschal 40 Euro Erstattung für diesen Zahlungsverzug zu. Außerdem hat die EU die Verzugszinsen, die den säumigen Zahlern in Rechnung gestellt werden dürfen, um einen Prozentpunkt nach oben gesetzt.

Das europäische Mahnverfahren vereinfacht Inkasso in Europa

Am 31.Dezember 2006 wurde eine neue Verordnung (EG) Nr. 1896/2006 zur Einführung eines Europäischen Mahnverfahrens erlassen. Das Ziel ist es, die Forderungsbeitreibung insbesondere von kleinen Forderungen in Europa zu erleichtern (Ausnahme Dänemark). Insbesondere wurde nach eingehenden Prüfungen in den Mitgliedstaaten festgestellt, dass der Zahlungsverzug speziell kleine und mittelständische Unternehmen trifft, die wiederum in Zahlungsschwierigkeiten geraten, und dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Auch die bereits existierenden Regelungen wurden als nicht ausreichend angesehen, zumal sie auf den Forderungseinzug gegen Schuldner im Ausland nicht anwendbar sind und das jeweilige nationale Recht doch sehr unterschiedliche Regelungen vorsieht.
Das europäische Mahnverfahren soll nach Meinung der europäischen Gesetzesgeber für mehr Sicherheit im Umgang mit überfälligen Forderungen sorgen.

Interessant dürfte für den Gläubiger auch der sachliche Anwendungsbereich sein. Hier taucht der Begriff Zivil- und Handelssachen auf. Hierunter werden neben Forderungen aus den privatwirtschaftlichen Tätigkeiten zum Beispiel auch Forderungen aus Arbeitssachen verstanden.

Folgende Sachverhalte können nicht im europäischen Mahnverfahren geltend gemacht werden:

• Die ehelichen Güterstände, das Gebiet des Erbrechts, einschließlich des Testamentsrechts
• Konkurse, Verfahren im Zusammenhang mit der Abwicklung zahlungsunfähiger Unternehmen oder anderer juristischer Personen, gerichtliche Vergleiche, andere Vergleiche und ähnliche Verfahren

Der europäische Zahlungsbefehl – Wie ist das Verfahren?

Das europäische Mahnverfahren wird mittels eines Antrags auf Erlass eines Europäischen Zahlungsbefehls mit dem Formblatt A (siehe auch (https://e-justice.europa.eu/content) erstellt. Dieses Verfahren darf nur bei unbestrittenen Forderungen verwendet werden und muss in der Sprache ausgefüllt werden, die das zu befassende Gericht verwendet. In jedem europäischen Mitgliedstaat sind es die Gerichte. Nur in Ungarn sind auch Notare zugelassen. Der Antrag kann elektronisch oder auch postalisch eingereicht werden. Wie im deutschen Mahnbescheidsverfahren besteht hier kein Anwaltszwang.
Der Antrag auf den Erlass eines Europäischen Zahlungsbefehls wird im Land des Beschuldigten von dem Richter geprüft. Auch hierin besteht ein Unterschied zum deutschen Mahnverfahren. Denn hier übernimmt der Rechtspfleger diese Aufgabe.
Der Antrag wird nach verschiedenen Kriterien geprüft und entschieden. Dabei kann es zu einer Zurückweisung kommen. Besonderheit ist hier, dass der Antragssteller keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen kann. Andererseits kann er aber einen neuen Antrag stellen oder ein anderes Verfahren wählen.
Sind die in Artikel 8 der EuMahnVO genannten Kriterien erfüllt, so erlässt das Gericht einen Europäischen Zahlungsbefehl. Die Zustellung erfolgt gemäß den Artikeln 13,14 und 15. Ist der Zahlungsbefehl dann einmal zugestellt, gilt hier dann auch nochmal eine Frist, in der die Gegenseite Einsprüche geltend machen könnte. Für den Schuldner muss klar sein, dass er zügig handelt, denn es gibt keinen „Vollstreckungsbescheid“, der ihm eine erneute Frist einräumt.

Wir können Ihnen helfen!

An diesen Ausführungen wird sehr schnell deutlich, dass der Weg vom Antrag bis zum Erlass eines Europäischen Zahlungsbefehls nur mit Aufwand zu bewältigen ist.
Sollten Sie Unterstützung bei offenen Forderungen im Ausland benötigen, an deren Ende womöglich ein europäisches Mahnverfahren stehen könnte, finden Sie auf unserer Infoseite für den Inkasso-Service Ausland weitere Informationen.