Liquidität sichern in der Corona Krise

Liquidität sichern in der Corona Krise

11 Tipps: Was Sie im Mahnwesen jetzt tun sollten

Liquidität sichern in der Corona Krise

Harald ist in einem Maschinenbauunternehmen auch für die Debitoren verantwortlich. Bisher hatte er mit unbezahlten Rechnungen wenige Probleme, weil die Kunden im Inland und Ausland zuverlässig zahlen. Zur Sicherheit existiert für die höheren Risiken auch eine Forderungsausfall- schutzversicherung. Aber seit Beginn der COVID-19 Pandemien ist der Wurm drin. Während das eigene Unternehmen auch von Kurzarbeit betroffen ist und sich die meisten Mitarbeiter im Homeoffice befinden, gehen die Zahlungen der Kunden nur noch schleppend ein.
Kein Wunder, denn Wirtschaft und Nachfrage sind eingebrochen, Unternehmen sind mit leeren Auftragsbüchern konfrontiert, hunderttausenden wurde der Betrieb gänzlich untersagt. Selbst Großkonzerne sind auf staatliche Hilfen angewiesen und eine steigende Zahl von Unternehmen und Belegschaften fürchtet Insolvenzen. Menschen sind gezwungen auf Geld zu verzichten, das sie zur Sicherung ihres Lebensunterhalts brauchen. Millionen von Haushalten sind von Kurzarbeit betroffen.

Was bedeutet das für Ihr Mahnwesen?

Liquidität sichern in der Corona Krise

Lieferanten – Gläubiger – müssen sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass einige Kunden temporär oder dauerhaft einfach nicht zahlen können. Das liegt auch daran, dass Umsätze nicht aufgeholt werden können und selbst die gewährten Kredite spätere die Liquidität zusätzlich belasten. Auch haben einige Unternehmen bereits Steuerstundungen und ähnliches ausgeschöpft, um die Finanzlöcher zu stopfen. Absolut verständlich.

„Warten wir einmal ab, wie sich das alles entwickelt“ erklärte mir zuletzt ein Finanzleiter.
Das kann man so machen, muss man aber nicht!

11 Tipps: Wie Sie Ihre Forderungen in der Krise sichern und realisieren

  • Achten Sie immer auf die Geschäftsbeziehungen
    Kaum zu glauben, aber viele Ihrer Kunden sind noch nie in einer finanziell prekären Lage gewesen. Mit den meisten werden Sie bereits seit Jahren und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Denken Sie bei jeder Maßnahme auch immer an die zukünftige Geschäftsbeziehung. Forderungen mit der Brechstange zu realisieren ist nicht immer die bessere Variante.
Liquidität sichern in der Corona Krise
  • Für Pappenheimer gibt es keine Ausreden
    „Wir haben doch Corona-Zeiten“ ruft mir ein säumiger Kunde zu, dessen Rechnung bereits seit fast sechs Monaten überfällig ist. Natürlich können auch diese Kunden unverschuldet und regelmäßig in Zahlungsnöten sein. Aber hier sollte Ihnen das Hemd näher sein als die Hose.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kreditversicherer
    Sie verfügen über eine Warenkreditversicherung? Gerade jetzt ist es wichtig, dass die versicherten Limits nicht deutlich eingeschränkt werden. Auch lohnt sich noch einmal der Blick in die Obliegenheiten Ihrer Versicherungsbedingungen, damit Sie Ihren Versicherungsschutz erhalten. Ähnliches gilt auch für Ihren Factoring Dienstleister.
  • Werden Sie aktiv!
    Treten Sie am besten persönlich oder in den telefonischen Kontakt mit Ihren säumigen Kunden. Belassen Sie es nicht mit den schriftlichen Mahnungen!
  • Setzen Sie Prioritäten
    Kümmern Sie sich erst um die höchsten, ältesten Forderungen. Soweit Sie in Risikogebiete liefern – Ausland -, greifen Sie auch hier lieber zum Hörer.
  • Offen die Probleme ansprechen
    Besprechen Sie mit Ihrem Kunden offen die Situation. Viele Menschen neigen dazu, gerade dann zur Vogel-Strauß-Politik.
  • Vereinbaren Sie alles schriftlich
    Wer schreibt, der bleibt. Es ist nichts Unehrenhaftes daran, wenn Vereinbarungen zur Rückzahlung überfälliger Forderungen auch festgehalten werden.
Liquidität sichern in der Corona Krise
  • Halten Sie sich Optionen offen
    – Schriftliche Ratenzahlungspläne
    – Schriftliche Stundungsvereinbarungen
    – Rücknahme Ware, teilweise Gutschrift
    – Schriftliches Schuldanerkenntnis (Notar).
    – Forderungsabtretungen, Bürgschaften
  • Hören Sie gut zu
    Die Zahlungsschwierigkeiten sind möglicherweise noch nicht offiziell bekannt. So wird Ihnen die Firmenauskunft einer Wirtschaftsauskunftei im Moment nicht viel bringen. Ein persönliches Gespräch, oder ein Telefonat schon mehr.
  • Wenn Sie sich nicht einigen können
    Natürlich können Sie jetzt Ihren Anwalt oder ein Inkassobüro beauftragen. Alternativ empfehle ich aber auch über eine Mediation nachzudenken. Die Forderungs-Mediation hilft, wenn sich die Fronten bereits verhärtet haben. Fragen Sie aber auch Ihr Inkassounternehmen, wie Sie mit dem Schuldner umgehen werden. Schließlich ist auch hier das Fingerspitzengefühl gefragt.