Aus der Praxis: Wenn der Schuldner sich auskennt

 

Eine Augenarztpraxis hat uns mit dem Forderungseinzug gegen einen ihrer Patienten beauftragt. Berechnet wurden unter anderem mehrere Sehtests. Kurz nach Übersendung des ersten Mahnschreibens meldete sich auch schon der erboste Schuldner bei uns. Er ist scheinbar vom Fach und teilte uns mit, dass die Sehtests vollkommen überflüssig waren. Er habe ja bereits zu Beginn der Behandlung mitgeteilt, dass er auf dem betroffenen Auge nichts sehen könne. Daher weigerte er sich nun, diesen Teil der Rechnung zu zahlen und widersprach der Forderung. Doch an diesem Punkte sind wir als Inkassounternehmen noch lange nicht weg vom Fenster. Es beginnt eine mühselige Vermittlungsarbeit zwischen den beiden Fronten, die üblicherweise mehr oder weniger verhärtet sind – der Kunde möchte sein Geld, der Schuldner möchte nicht zahlen.

Die Vermittlung zwischen Schuldner und Mandant

Der zuständige Kollege hat nun also den Widerspruch des Schuldners erhalten. Als nächstes kontaktiert er im Zuge der Vermittlung zwischen den Parteien den Mandanten. Man teilt mit, dass bei einer Erstuntersuchung wie dieser ein Sehtest auf beiden Augen gemacht werden muss, um das Ausmaß der Schädigung festzustellen. Die Forderung ist also berechtigt. In solchen Fällen ziehen wir es jedoch vor, nicht nur telefonisch mit dem Mandanten zu kommunizieren, sondern auch eine schriftliche Stellungnahme zu erhalten. Also hat der Kollege diese angefordert und im nächsten Schritt an den Schuldner weitergeleitet. Auf dieses Schreiben reagiert der Schuldner nun mit einem Angebot. Er erklärt, dass er die Untersuchung durch die Ärztin zahlen würde, aber immer noch nicht die Sehtests – aus oben genannten Gründen. Außerdem kündigt er an, dass er nun einen Anwalt aufsucht. Hier endet zunächst der Kontakt. Erst nach über einem Monat Wartezeit und einigen erfolglosen Anrufen beim Schuldner kommt nun die Info zu uns, man würde jetzt doch die Hauptforderung zahlen. Einen Tag später geht die Zahlung bei uns ein.

Fazit

Hier beobachten wir eine interessante Wendung der Ereignisse und ein gutes Beispiel dafür, wie der wachsende Druck durch ein Inkassounternehmen letztendlich zur Zahlung führen kann. Hierfür bedarf es selbstverständlich einer sorgfältigen Vermittlung zwischen den Parteien sowie einer gehörigen Portion Beharrlichkeit und Nachdruck. Doch zugegeben, ein vernünftiger Anwalt auf der Gegnerseite kann auch nicht schaden.