Aus der Praxis: Lebensumstände des Schuldners ändern sich

 
Bei einem unserer Langzeit-Schuldner war mal wieder die Abnahme der Vermögensauskunft fällig. Und wie auch in den Jahren zuvor war das Gehalt nicht ausreichend für eine Pfändung. Immerhin hatte der Schuldner zu diesem Zeitpunkt vier unterhaltsberechtigten Personen durchzufüttern, nämlich seine Ehefrau und außerdem noch drei Kinder. Allerdings hatten wir uns bereits beim letzten Vollstreckungsversuch die Notiz gemacht, dass die Kinder bald alt genug sein würden, um ein eigenes Einkommen zu haben. Es ist stets ratsam, solche Beobachtungen zu vermerken.
 

In der aktuellen Vermögensauskunft stand nun allerdings lediglich vermerkt, dass die Söhne in Ausbildung seien, beziehungsweise ein Praktikum machten. Die Ehefrau habe nur eine geringfügige Beschäftigung. Hier wollten wir jedoch Genaueres in Erfahrung bringen und stellten beim Gerichtsvollzieher einen Nachbesserungsantrag zu den Einnahmen der Familienmitglieder. Und siehe da, alle drei Söhne bekamen immerhin ein gutes Ausbildungsgehalt beziehungsweise eine solide Praktikumsvergütung. Die Ehefrau verdiente den Höchstbetrag im Minijob. Die finanzielle Situation der Familie sah also gar nicht so schlecht aus wie ursprünglich befürchtet. Im Gegenteil, sie ließ sogar finanziellen Spielraum für eine Pfändung!
 
Nun stellten wir also bei Gericht den Antrag auf Drittschuldnerpfändung beim Arbeitgeber mit dem Zusatz, das Einkommen der Familie anteilig anzurechnen. Folglich werden hier also die Gehälter der Söhne, der Frau und zusätzlich auch noch das Kindergeld mit einbezogen. Alles in allem ergab sich nun ein pfändbarer Betrag von fast 400€ monatlich. So konnte die Forderung in einem doch recht kurzen Zeitraum von nur einem Jahr vollständig beglichen werden!
 

Fazit

Geben Sie Ihre titulierten Forderungen nicht verloren oder lassen sie im Kellerregal einstauben. Prüfen Sie die Vermögensauskünfte und hinterfragen Sie die Angaben von Gerichtsvollziehern. Prüfen Sie, ob wirklich alles abgefragt wurde. Nehmen Sie an, dass sich die Lebensumstände auch bei Schuldnern verändern können. Achten Sie auf die kleinsten Gegebenheiten, welche von Belang sein könnten (wie in unserem Beispiel das Alter der Kinder). Manchmal macht eine gute Beobachtungsgabe einen großen Unterschied.
 
Ihr debkonplus Inkasso-Team