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Wie Sie Pferde im Inkasso einspannen können

Posted on Januar 22, 2018 by - Allgemein

 
Eine zweifache Pferdebesitzerin hatte erhebliche Schulden angehäuft. Auch bei unserem Mandanten war noch ein stolzes Sümmchen offen. Doch die Schuldnerin stand in regelmäßigem Kontakt mit dem zuständigen Gerichtsvollzieher und gab in den Gesprächen immer an, sie habe kein Geld und damit auch kein Vermögen. Wie nun tatsächlich die Vermögensauskunft zustande gekommen ist, können wir nicht beurteilen. Aber merkwürdig ist es schon, dass der Gerichtsvollzieher keine neugierigen Fragen stellte.

Hier sind wir als Inkassounternehmen gefragt

Wir taten es, indem wir vorab in den sozialen Netzwerken intensiv recherchierten. In Zusammenarbeit mit unserem Kunden stellten wir fest, dass die Schuldnerin tatsächlich zwei Pferde besitzt und ihre beiden Pferde in gemieteten Ställen untergebracht hat. Wie kann sie sich die Einstellkosten leisten? Wie bezahlt sie den Hufschmied, das Futter und die eventuell anfallenden Tierarztkosten? Über welche Einkommensquellen verfügt sie wirklich? Hat sie den Gerichtsvollzieher bei der Abgabe der Vermögensauskunft womöglich betrogen? Das hätte sicherlich auch strafbare Folgen für die Schuldnerin.

Die praktische Umsetzung

In der Praxis war uns jedoch auch hier klar, dass wir die Pferde nicht einfach pfänden und wegbringen lassen würden. Letztlich waren es die Kosten und die Sorgen um die Pferde, die uns dazu bewegten dies nicht zu tun.
Schließlich konfrontierten wir die Tierbesitzerin mit unseren Erkenntnissen und erklärten ihr im Telefonat, dass wir den Gerichtsvollzieher erneut beauftragen würden. Und dass wir im Falle des Falles auch eine Anzeige in Erwägung ziehen könnten. Die Schuldnerin – bisher war sie immer sehr uneinsichtig – gab sich jetzt sehr kooperativ und lenkte ein. Wir erhielten in drei Raten die gesamte Hauptforderung inklusive des Verzugsschadens.

Fazit

Inkasso und ein erfolgreicher Forderungseinzug ist unserer Meinung nach mehr als nur Mahnbriefe mit unterschiedlichen „Drohtexten“ zu senden. Vielmehr sind es die Recherche und die anderen kreativen Inkassoarbeiten, die zum Erfolg führen. Sammeln Sie deshalb jede Kleinigkeit über Ihren Schuldner. Beobachten Sie ihn auch auf längere Sicht. In jedem Lebensabschnitt ändert sich etwas. Jeder Schuldner hat besondere Interessen. In diesem Inkassofall lag das Interesse des Schuldners bei den Pferden. Welches Interesse hat Ihr Schuldner?

Wenn einem Seniorenheim die liquiden Mittel ausgehen

Posted on Dezember 13, 2017 by - Allgemein

 

Wenn einem Seniorenheim die liquiden Mittel ausgehen

Vielleicht mag die Überschrift ein wenig verwirren, aber auch Seniorenheime begleichen die Lieferantenrechnungen nicht immer.

In unserem aktuellen Inkassofall einer Mandantin aus Düsseldorf geht es um einen Betrag von immerhin 10.000,00€. Das Seniorenheim ließ sich Warnmelder und Sensoren anbringen, damit man den neuesten gesetzlichen Vorschriften auch nachkommen konnte. Der Auftrag war gestempelt. Leider ohne die Unterschrift einer bevollmächtigten Person. Ein Problem, das häufig anzutreffen ist. Auch ist nicht eindeutig zu erkennen, welche Gesellschaft denn nun den Auftrag erteilt hat.

Unsere Recherchen beginnen, denn das Seniorenheim aus Neuss hat keinen eigenen Internetauftritt. Zudem ist die Bezeichnung des Seniorenheims so allgemein, dass sie nicht genau zuzuordnen ist. Endlich werden wir fündig. Aber es handelt sich um ein einziges Geflecht ständig wechselnder Firmen und Sitzverlegungen. Nach intensiven Nachforschungen, fünf Auszügen aus dem Handelsregister, sieben Auskünften bei Creditsafe und diversen Korrespondenzen mit „falschen“ Schuldnern konnten wir endlich nach ca. drei Wochen die richtige Schuldnerin mit ihren persönlich haftenden Gesellschaftern ermitteln.
Für den Außenstehenden scheinen die Dinge bei Abgabe zum Inkasso im Vergleich hierzu recht einfach. Es ist deshalb aus der Sicht des Kunden manchmal nicht zu verstehen, warum das denn so lange dauert. Manches Mal hören wir auch Sätze wie „so schwer kann es doch nicht sein…“. Aber doch, gerade diese Inkassomandate sind zeitraubend und erfordern Geduld.

Aber es wird noch besser. In Namen unseres Kunden fordern wir den Schuldner zur Zahlung auf. Das Schreiben bleibt ohne eine Resonanz. Telefonisch sind nur die Angestellten des Seniorenheims zu erreichen. Diese teilen einem eine Telefonnummer der Buchhalterin, die woanders sitzt, mit. Die Dame ist aber telefonisch nicht zu erreichen. Die Angestellten sagen ganz klipp und klar, dass ihnen das ganz egal sei. Wenn das Heim geschlossen würde und sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wäre ihnen das egal. Sie würden bei dem jetzigen Arbeitsmarkt sofort etwas Neues finden.

Wenn es dem Betreiber des Seniorenheims und allen Angestellten so egal ist, was mit dem Seniorenheim geschieht, fragen wir uns: Wie egal sind der Geschäftsführung denn dann die versorgten Klienten? Und wie ist es moralisch zu vertreten, dass der Gläubiger nun selbst in Zahlungsschwierigkeiten gerät, während der Schuldner den Kopf in den Sand steckt?